Vor dem Hintergrund dieses statistischen Befundes haben die Landesregierung Sachsen-Anhalts und die Landesseniorenvertretung Sachsen-Anhalt e. V. einen ersten bedeutenden Schritt unternommen, das seniorenpolitische Programm des Landes Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln und als Leitlinienkonzept fortzuschreiben. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst die Themen Einsamkeit und soziale Teilhabe, wohnortnahe Beratung sowie Mobilität im Alter. Das Konzept enthält zu diesen Bereichen eine Situationsanalyse, gute Beispiele aus der Praxis und Handlungsempfehlungen, welche in der kommenden Legislatur aufgegriffen werden sollen. Im nächsten Schritt sind regionale Werkstätten und Beteiligungsformate geplant, in denen ältere Menschen ihre Erfahrungen und Wünsche einbringen können.
„Das seniorenpolitische Programm“ zeigt Wege hin zu einem altersfreundlichen Sachsen-Anhalt, das Menschen ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht. Als Land des hohen Alters wollen wir dazu beitragen, dass sich Seniorinnen und Senioren aktiv einbringen können und nicht in die Einsamkeit zurückziehen“, sagte Sachsen-Anhalt Sozialministerin Petra Grimm-Benne im Nachgang des Kabinetts.
Ein Blick auf die drei Handlungsfelder:
Soziale Teilhabe und Maßnahmen gegen Einsamkeit
Studien zeigen, dass Einsamkeit im Alter erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen haben kann. Als besonders gefährdet gelten ältere, alleinlebende Menschen über 75 Jahre. Auch wenn Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung aufweist, besitzt das Land eine bemerkenswert vielfältige Landschaft an Projekten gegen Einsamkeit. Zu nennen ist beispielhaft die „Nachbarschaftshilfe Sachsen-Anhalt“, mit der mittlerweile über 4.000 Nachbarschaftshelferinnen und -helfer pflegebedürftige ältere Menschen dabei unterstützen, dass sie möglichst lange am sozialen Leben teilnehmen und in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.
Als perspektivische Handlungsfelder nennt das Konzept:
- Ausbau ehrenamtlicher Besuchs- und Begleitdienste,
- Förderung von Mehrgenerationenprojekten,
- Stärkung von Dorfgemeinschaftshäusern und Begegnungsstätten,
- mobile Beratungs- und Begegnungsangebote,
- niedrigschwellige Telefon- und Unterstützungsangebote gegen Einsamkeit.
Wohnortnahe Beratung
Gerade ältere Menschen stehen im Alltag häufig vor komplexen Entscheidungen etwa bei Versicherungen, Pflegeleistungen, digitalen Angeboten oder Vertragsabschlüssen., Damit sie selbstbestimmt Entscheidungen treffen können, benötigen sie verständliche, verlässliche und wohnortnahe Unterstützung. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt mit ihren unabhängigen Beratungsangeboten. Gute Beispiele wie das „DigiMobil“ der Verbraucherzentrale zeigen, wie Beratung direkt zu den Menschen gebracht werden kann.
Als perspektivische Handlungsfelder nennt das Konzept:
- Ausbau mobiler Beratungsangebote und stärkere Nutzung bestehender Einrichtungen wie Mehrgenerationenhäuser, Bürgerbüros oder Seniorentreffs,
- Engere Zusammenarbeit von Verbraucherberatung, Pflegeberatung, sozialen Diensten und kommunalen Netzwerken,
- Ausbau leicht verständlicher, analoger und digitaler Informationsangebote,
- Unterstützung älterer Menschen im Umgang mit digitalen Anwendungen sowie verstärkte Aufklärung über Betrugsmaschen, Vertragsfallen und digitale Risiken.
Mobilität im Alter
Mit zunehmendem Alter werden die Wege kürzer und konzentrieren sich stärker auf das unmittelbare Wohnumfeld. Mobilität dient dann vor allem dem Einkauf, Arztbesuchen oder Behördengängen, während Freizeit- und Bildungsaktivitäten zunehmend in den Hintergrund treten. Gerade im ländlichen Raum ist Mobilität jedoch eine wesentliche Voraussetzung dafür, zentrale Alltagsangebote zu erreichen und gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Bereits ab dem 70. Lebensjahr ist etwa jede dritte Person in ihrer Mobilität eingeschränkt. Betroffen sind insbesondere das Gehen, das Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen sowie die Orientierung im Straßenverkehr. Fehlende oder nicht ausreichend barrierearme Infrastruktur kann diese Einschränkungen zusätzlich verstärken.
Bei der Aufstellung und Fortschreibung des ÖPNV-Plans des Landes Sachsen-Anhalt werden deshalb die Interessen der Bevölkerung sowie besonders betroffener Gruppen gezielt über verschiedene Gremien und Beteiligungsformate einbezogen.
Als perspektivische Handlungsfelder nennt das Konzept:
- verständliche und barrierearme Fahrgastinformationen,
- seniorengerechte Kommunikation,
- stärkere Einbindung relevanter Akteure und Interessenvertretungen.
Fortschreibung des Seniorenpolitischen Programms „Aktiv und selbstbestimmt“

