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Sachsen-Anhalt zeichnet vorbildliche Betriebs- und Personalratsarbeit aus

Zum zweiten Mal hat Sachsen-Anhalt den Betriebs- und Personalrätepreis verliehen, um die engagierte Arbeit von Betriebs- und Personalräten für faire Arbeitsbedingungen und innerbetriebliche Demokratie zu würdigen.

Vor über 160 Gästen haben Arbeitsstaatsministerin Petra Grimm-Benne, Katrin Skirlo (Leiterin DGB Landesbüro Sachsen-Anhalt und stellvertretende Vorsitzende im DGB Bezirk Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt) heute in der Magdeburger Hyparschale den Betriebsrat der G+E GETEC Holding GmbH und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit dem Landespreis ausgezeichnet.

„Der Arbeitsmarkt steht unter enormen Druck. Gerade in Zeiten des Umbruchs braucht es eine stabile Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe. Betriebs- und Personalräte stärken die innerbetriebliche Demokratie, verbessern Arbeitsbedingungen und steigern nachweislich den Erfolg von Unternehmen. Dabei kämpfen sie oft gegen Widerstände, um die Interessen der Belegschaft und faire Arbeit durchzusetzen“, sagte Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne auf der 9. Betriebsräte- und Personalrätekonferenz. „Interessenvertretungen sind unentbehrlich, um pragmatische Lösungen wie beim Home Office oder Familienfreundlichkeit auszuhandeln. Zugleich muss der Wandel in der Arbeitswelt durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet werden. Mit der heutigen Konferenz wollen wir mit den Betriebs- und Personalräten einen gemeinsamen Schulterschluss für Gute Arbeit demonstrieren“, so Grimm-Benne.

DGB-Landesleiterin Katrin Skirlo betont: „Die Vorteile der betrieblichen Mitbestimmung liegen auf der Hand: Betriebs- und Personalräte haben positive Effekte auf Löhne, Aus- und Weiterbildung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie sorgen dafür, dass Beschäftigte bei wichtigen Entscheidungen mitreden und mitbestimmen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformation – ob Digitalisierung, ökologische Modernisierung oder neue Geschäftsmodelle – sind Betriebsräte unverzichtbar, weil sie Veränderungen der Arbeitswelt fair gestalten und die Interessen der Beschäftigten sichern. Sie verhandeln moderne Arbeitszeitregelungen, stärken Qualifizierung und setzen sich für sichere, zukunftsfähige Arbeitsbedingungen ein. Ob im Betrieb oder in der Behörde: Das Engagement von Betriebs- und Personalräten ist gelebte Demokratie – und verdient es, gewürdigt zu werden.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:

Der Hauptpreis des Betriebs- und Personalrätepreises geht an den Betriebsrat der G+E GETEC Holding GmbH. Mit seiner neu aufgestellten Öffentlichkeitsarbeit hat das Gremium neue Wege beschritten, um den Austausch zwischen Belegschaft und Betriebsrat direkter und zeitgemäßer zu gestalten. Dazu gehören unter anderem Newsletter, ein Betriebsvereinbarungs-Wiki, Podcasts, Aktionstage, digitale Informationsangebote sowie der Superheld „ISSO“, der Gerüchte und Falschinformationen im Betrieb aufgreift und widerlegt. Die Jury würdigt insbesondere die Innovationskraft des Projekts, das auch für andere Betriebsräte als Vorbild für eine moderne Interessenvertretung dienen kann.

Für das EVG-Zukunftssiegel wurde zudem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gewürdigt. Mit dem Siegel will die Gewerkschaft eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Folgen des demografischen Wandels fördern, um auch in Zukunft Betriebsratsstrukturen sicherzustellen. Hintergrund ist, dass bis zu den Betriebsratswahlen im Jahr 2030 rund die Hälfte der heutigen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger altersbedingt aus ihren Funktionen ausscheiden wird. Bewertet werden unter anderem die Beteiligung von Nachwuchskräften, eine ausgewogene Geschlechterverteilung, regionale Vielfalt sowie eine breite fachliche Zusammensetzung der Gremien.

Hintergrund:

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)-Betriebspanel hatten in Sachsen-Anhalt im Jahr 2024 rund 10 % aller Betriebe mit mehr als fünf Beschäftigten einen Betriebsrat. Aufgrund der Wirtschaftsstruktur liegt der Anteil der Beschäftigten mit betrieblicher Interessenvertretung deutlich höher: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt arbeitet in einem Betrieb mit Betriebsrat.