Zudem wurde ein Sonderpreis für langfristiges Engagement verliehen. Ministerin Petra Grimm-Benne, Staatssekretärin und Landesintegrationsbeauftragte Susi Möbbeck und Landesgleichstellungsbeauftragte Sarah Schulze haben heute im Magdeburger Gesellschaftshaus die Preise überreicht. Darüber hinaus wurden 30 Ehrenamtliche für ihren persönlichen Einsatz für Integration und ein gutes Zusammenleben in Vielfalt geehrt. Eine Fachjury hat die Preisträgerinnen und Preisträger aus 71 eingereichten Vorschlägen ausgewählt.
Ministerin Petra Grimm-Benne: „Zwischen dem Arendsee und Zeitz engagieren sich viele tausend Menschen für eine solidarische Gesellschaft, in der Zugewanderte willkommen sind. Viele der Geehrten, die selbst erst vor einigen Jahren nach Sachsen-Anhalt gekommen sind, übernehmen jetzt Verantwortung und bauen gemeinsam an der Zukunft unseres Landes.“
Staatssekretärin Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte der Landesregierung: „Sachsen-Anhalt ist wie kaum ein anderes Bundesland auf internationale Zuwanderung angewiesen. Diese lebendige Vielfalt braucht Sichtbarkeit. Mit dem Integrationspreis rückt das Land das Engagement gegen Rassismus und für Menschlichkeit ins Scheinwerferlicht.“
Das sind die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger:
Kategorie „Kita, Schule und Ausbildung - Schlüssel erfolgreicher Integration“
Den mit 1.000 Euro dotierten, ersten Preis erhält Blickwechsel e.V. aus Magdeburg. Das Interkulturelle Begegnungszentrum im Stadtteil Neu-Olvenstedt bereitet in dem Projekt „Kinder stärken – Familien unterstützen“ migrantische Kinder im Vorschulalter, die z.T. keine Kita besucht haben, gezielt auf den Schulalltag vor.
Der mit 500 Euro dotierte, zweite Preis geht nach Bad Schmiedeberg. Dort engagiert sich die DRK-Kneipp Kindertagesstätte „Storchennest“ mit viel Herzblut, gezielten Förderangeboten und unter Einbeziehung der Eltern dafür, allen Kindern unabhängig von Herkunft, Religion oder Sprache bestmögliche Bildungschancen von Anfang an zu ermöglichen.
Das in Magdeburg ansässige Institut für Berufspädagogik e.V. erhält für seine herausragende Integrationsarbeit für internationale Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte einen Sonderpreis. Das Institut hat sich in 35 Jahren zu einem wahren Integrationsmotor entwickelt, der bei der Bewältigung von bürokratischen Hürden im Anerkennungsprozess hilft: Mit einer Bestehensquote von 98% in der Fachsprachprüfung und 84% in der Kenntnisprüfung werden Fachkräfte deutlich schneller in die stationäre und ambulante Versorgung integriert als über herkömmliche Sprachkurse.
Kategorie „Teilhabe von Frauen mit Migrationsgeschichte“
Der mit 1.000 Euro versehene, erste Preis geht an das Ukrainische Zentrum für Integration und Kulturaustausch e.V. in Zeitz. Der 2022 von engagierten Ukrainerinnen gegründete Verein setzt sich dafür ein, Migrantinnen durch Sprachkurse und Alltagsbegleitung so zu stärken, dass sie selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Für das „Mütter-Café“ erhält die Hallesche Jugendwerkstatt gGmbH den zweiten Integrationspreis und damit 500 Euro Preisgeld. Dreimal monatlich treffen sich dort Mütter aus verschiedenen Herkunftsländern zum mehrsprachigen Austausch zu Themen wie Erziehung, Kita, Schule und Teilhabe. Das Mütter-Café ermutigt die Frauen z.B. dazu, ihre Kinder frühzeitig in der Kita anzumelden und die eigene berufliche Entwicklung anzupacken.
Kategorie „Engagement für Vielfalt und Zusammenhalt – gegen Rassismus und Diskriminierung“
Der mit 1.000 Euro dotierte, erste Preis geht an die Freiwilligen-Agentur Altmark e.V. Das Projekt „Freunde treffen Freunde“ lädt seit 2018 einmal pro Woche zur Begegnung von Menschen ein, die schon immer, lange oder erst seit Kurzem in Stendal leben. Dadurch können die Teilnehmenden besser ankommen, Freunde treffen, sich vernetzen, Fragen stellen, lernen, gemeinsam kochen und essen, Aktionen planen oder über Sorgen sprechen.
Den mit 500 Euro dotierten zweiten Preis erhält die Familie Uslu, die gemeinsam mit der „Initiative für Dialog und Engagement“ in Dessau-Roßlau das Begegnungsprojekt „Geteilter Ramadan“ mit Leben füllt. Ziel ist es, dass Muslime und Nicht-Muslime den Fastenmonat Ramadan gemeinsam erleben, um Verständnis, Solidarität und Zusammenhalt zu fördern.
Anlage: Die 30 geehrten Einzelpersonen im Überblick
Altmarkkreis Salzwedel
Seit über drei Jahren engagiert sich Herr Boris Ivanov als ehrenamtlicher Integrationslotse sowie als Familien- und Bildungspate beim Altmarkkreis Salzwedel. Er hilft sowohl erwachsenen Geflüchteten in den Gemeinschaftsunterkünften als auch ankommenden Kindern und Jugendlichen, damit sie sich in der neuen Heimat gut zurechtfinden.
Frau Aeda Almawed engagiert sich mit außergewöhnlicher Hingabe für geflüchtete Kinder. Für viele von ihnen ist sie Vertrauensperson, Ersatzoma und Lehrerin in einer Person. Woche für Woche investiert sie mehrere Stunden in die Sprachförderung und begleitet Kinder geduldig beim Lesen- und Schreibenlernen.
Frau Saliha Yusofi leistet seit 2024 in Salzwedel als Sprachmittlerin in den Sprachen Dari und Paschtu einen wertvollen Beitrag zur Integrationsarbeit im ländlichen Raum.
Frau Alia Yousofi engagiert sich im hohen Norden als Sprachmittlerin sowie bei der diakonischen Flüchtlingshilfe, dem Verein eXchange e.V. und der Organisation von Veranstaltungen wie dem Interreligiösen Friedensgebet.
Burgenlandkreis
Heike Paschko ist eine langjährige Ehrenamtliche im Burgenlandkreis, die sich unermüdlich, fachlich sehr kundig und in enger Verbundenheit mit Migrationsagentur für Geflüchtete und ihre berufliche Integration einsetzt.
Dessau-Roßlau
Karsten Lückemeyer gibt nicht nur ehrenamtlichen Sprach-, sondern auch Musikunterricht. Aus diesem Engagement ist eine internationale Musikgruppe entstanden, die zeigt, wie sehr Musik verbindet. Als „Astronaut Peter Ghost“ setzt er sich zudem für ein menschliches Miteinander ein.
Seit 2024 engagieren sich Frau Madina Ghulami und Frau Melika Hoseini für die Integration neu angekommener Familien, indem sie diese im Alltag, bei Behördengängen oder Schulangelegenheiten unterstützen. Darüber hinaus fördern beide Frauen das nachbarschaftliche Miteinander und die Selbstständigkeit von Menschen mit Fluchterfahrung, indem sie an Begegnungsfesten und Mobilitätsprojekten wie Fahrradkursen mitwirken.
Halle (Saale)
Frau Alina Starostenko engagiert sich ehrenamtlich im Projekt „Paten und Lotsen für
Geflüchtete" der Freiwilligen-Agentur und unterstützt als Sprachmittlerin Menschen mit Migrationsgeschichte bei Arztterminen und Behördengängen.
Als Sprachmittler für Russisch und Deutsch begleitet Dr. Rainer Berthelmann Zugewanderte – häufig sehr kurzfristig – in besonders sensiblen und oft entscheidenden Lebenssituationen: bei medizinischen Untersuchungen und Operationsaufklärungen ebenso wie bei Behördengängen.
Seit Anfang 2025 engagiert sich Herr Shiyar Barkl als ehrenamtlicher Sprachmittler für Kurdisch, Arabisch und Türkisch. In der Zusammenarbeit wird er für seinen hohen persönlichen Einsatz und seine aufgeschlossene Art geschätzt.
Bereits seit ihrer Schulzeit baut Frau Fatma Hasan kommunikative oder bürokratische Hürden ab, um geflüchteten Menschen Halt und Selbstvertrauen zu geben. Ihr Weg reicht von der ehrenamtlichen Nachhilfe für geflüchtete Kinder über ihr Engagement bei LAMSA e.V. bis hin zur Verantwortungsübernahme im kurdischen Jugendverband Komciwan e.V.
Frau Dalal Mirzo unterstützt Frauen individuell, begleitet sie durch schwierige Situationen und stärkt sie in ihrer Selbstständigkeit. Bereits kurz nach ihrer Ankunft begann sie, Frauen aus ihrer Community zusammenzubringen und gegenseitige Unterstützung zu organisieren. Aus diesem Engagement entstand die Initiative „Frauen in Halle“, die sie maßgeblich aufgebaut hat.
Jerichower Land
Als Schulsozialarbeiter in Burg setzt sich Herr Ibrahim Huseynzade in besonderer Weise für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte ein. Aufgrund seiner Mehrsprachigkeit – er spricht sechs Sprachen – gelingt es Herrn Huseynzade, Sprachbarrieren abzubauen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus aufzubauen.
Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Frau Almut Spanier unterrichtet seit 2017 Deutsch für Kinder und Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund im Mehrgenerationenhaus Bitterfeld-Wolfen. Ihre Arbeit hat nicht nur die Sprachkenntnisse der Teilnehmenden verbessert, sondern auch das gegenseitige Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen gefördert.
Landkreis Harz
Frau Iryna Kovalchuk und Frau Yuliia Kopchak engagieren sich seit ihrer Ankunft im Jahr 2022 in Deutschland für die Integration ukrainischer Familien in der Welterbestadt Quedlinburg. Sie unterstützen bei Übersetzungen, begleiten bei Behördengängen, helfen bei Kita-Anmeldungen und stehen der Stadtverwaltung als wichtige Vermittlerinnen zwischen Verwaltung und Geflüchteten zur Seite. Ein besonderer Schwerpunkt ihres Engagements ist das selbst entwickelte integrative und pädagogische Angebot „Sonnenblumenkinder“, das sich an ukrainische Kinder richtet.
Landkreis Stendal
Frau Jördis Wellmann engagiert sich seit 2015 ehrenamtlich in verschiedenen Angeboten zur
Unterstützung von geflüchteten Menschen, zuerst in einem Begegnungscafé in Klietz
und seit 2018 in der kleinen Markthalle in Stendal. Hier organisiert sie gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen das Begegnungsformat „Freunde treffen Freunde“.
Frau Ans Briesenick leistet im Rahmen des Begegnungsformats "Freunde treffen Freunde" einen wertvollen Beitrag zur Integration und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region. Seit nunmehr zehn Jahren engagiert sich Frau Briesenick Woche für Woche mit unverminderter Hingabe für andere Menschen. Für jedes Treffen nimmt sie eine Fahrstrecke von rund 90 Kilometern auf sich.
Landkreis Wittenberg
Frau Heide Pohl engagiert sich seit dem Jahr 2021 im Familien- und Bildungspatenprojekt der Arbeiterwohlfahrt Wittenberg e.V. Ob bei Behördengängen, schulischen Angelegenheiten oder gesundheitlichen Herausforderungen – Frau Pohl steht stets an der Seite der Familien.
Herr Abdulrazzak Alkayal leistet als ehrenamtlicher Sprachmittler und Integrationslotse seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen im Landkreis Wittenberg. Er begleitet und unterstützt mit großem persönlichen Engagement Geflüchtete zum Beispiel bei Behördengängen, Arztbesuchen und Elterngesprächen.
Frau Natalia Bunduk kam 2022 aus der Ukraine nach Wittenberg. Innerhalb kürzester Zeit erlernte sie die deutsche Sprache und engagierte sich fortan in der Unterstützung von Geflüchteten. Auch bei Behördenangelegenheiten fungiert Frau Bunduk als zuverlässige sowie engagierte Sprachmittlerin, die für ihre ruhige und sachliche Art geschätzt wird.
Magdeburg
Herr Dr. Holm Riegel behandelt viele Menschen mit Migrationshintergrund in seiner Hausarztpraxis im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt. Er bietet Sprechstunden mit Dolmetschern in acht Sprachen an. Dafür kann man spezielle Termine vereinbaren. Zudem sprechen seine Mitarbeitenden neben Deutsch sieben weitere Sprachen.
Herr Markus Ulbricht engagiert sich seit der Gründung des 1. Magdeburger Basketballclub e.V. in besonderem Maße für Integration, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport. Mit großem persönlichem Einsatz gestaltet er aktiv die Vereinsarbeit und setzt sich dafür ein, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und Lebensrealitäten zusammenzubringen.
Herr Saaeid Saaeid bringt sich ehrenamtlich sowohl im Syrisch-Deutschen Kulturverein als auch im Beirat für Integration und Migration ein. Er unterstützt die Ausländerbehörde, indem er zwischen der Institution und Zugewanderten vermittelt sowie behördliche Prozesse vereinfacht und erklärt.
Frau Alla Krassikova ist seit April 2022 im Projekt „Kita-Einstieg Magdeburg“ als ehrenamtliche Kita-Lotsin für zugewanderte Familien aktiv. Darüber hinaus begleitet sie seit mehr als 25 Jahren Migrantinnen und Migranten im Alltag, leistet emotionale Unterstützung, hilft bei organisatorischen Fragen und übernimmt Übersetzungsaufgaben.
Frau Lili Magomedova engagiert sich in der Sozial-Kulturellen Vereinigung „Meridian“. Für Frau Magomedova spielt Herkunft, Religion oder Sprache: Sie hilft mit ihren eigenen Erfahrungen Geflüchteten beim Ankommen.
Herr Akram Elborashi ist als Arzt in Weiterbildung beim Medizinischen Versorgungszentrum Magdeburg sowie als Dozent beim Institut für Berufspädagogik in Magdeburg tätig. Seit Januar 2025 setzt er sich als stellvertretender Vorsitzender des Beirats für Integration und Migration der Landeshauptstadt Magdeburg für eine bessere gesellschaftliche Teilhabe ein.
Herr Ahmad Ezzo ist 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet und arbeitet mittlerweile als Lehrer für Englisch. Er unterstützt Familien, die aufgrund von Sprachbarrieren Schwierigkeiten im Schulalltag haben, und hilft ihnen bei der Orientierung im deutschen Bildungssystem. Darüber hinaus trainiert Herr Ezzo seit März 2024 eine Fußballjugendmannschaft mit hohem Migrationsanteil.
Frau Dr. Yasemin Gökkus hat mit einer großen Portion ehrenamtlichem Einsatz Projekte für Mütter und Frauen ins Leben gerufen. Aktuell leitet sie einen Integrations- und Sprachkurs speziell für Frauen und engagiert sich als ehrenamtliche Integrationslotsin. Sie entwickelte außerdem ein Familienbildungs- und Integrationsprojekt für Mütter, die neu in Magdeburg angekommen sind.

