Menu
menu

Fachstelle VERA: Grimm-Benne würdigt Engagement für Schutz von Frauen vor Gewalt

​​​​​​​Seit über 25 Jahren berät die Fachstelle VERA Frauen und Mädchen, die von Frauenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung oder ehrbezogener Gewalt betroffen sind und kooperiert hierzu mit den Behörden des Landes.

Darüber hinaus bietet die Fachstelle anonyme Schutzwohnungen für hochgefährdete, von Zwangsverheiratung betroffene Frauen sowie Paare mit und ohne Kinder an, was in Mitteldeutschland einzigartig ist. Mit der Förderung der vom AWO Landesverband getragenen Fachstelle setzt das Land seine Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention und europäischen Richtlinien um. Bei einem Treffen mit dem Team von VERA würdigte Gleichstellungsministerin Petra Grimm-Benne die für das Land und insbesondere die Klientinnen unentbehrliche Arbeit: „Durch die professionelle und engagierte Arbeit in diesem herausfordernden Themenfeld finden Betroffene, die von Frauenhandel und Zwangsverheiratung betroffen sind, verlässliche Unterstützung auf ihrem Weg in ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Diese engagierte Arbeit verdient Anerkennung und verlässliche Finanzierung.“

Seit Gründung der Fachstelle sind die Zahlen deutlich angestiegen: Im Jahr 2010 wandten sich 16 Klientinnen an die Beratungsstelle. 2025 wurden 136 Klientinnen begleitet, von denen fast jede zehnte minderjährig war. In diesen Fällen kooperiert die Fachstelle mit den Jugendämtern im Land. Neun hochgefährdete Klient*innen – darunter auch Paare - wurden 2025 in den zwei Schutzwohnungen aufgenommen, um in akuten Krisensituationen schnell und unbürokratisch Schutz und Hilfe zu geben.

Die statistische Entwicklung zeigt den steigenden Bedarf an spezialisierten Beratungs- und Schutzangeboten. Mit der personellen Stärkung der Fachstelle hat das Land reagiert. So wurde die Förderung von rund 456.000 Euro im Jahr 2022 auf inzwischen rund 814.000 Euro im Jahr 2026 für die Beratungsarbeit und die Schutzwohnungen erhöht. Auch 2025 fand eine bedarfsgerechte Erhöhung der personellen Ausstattung statt.

Steffi Schünemann, Vorständin der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.: „Die heutige Würdigung ist für uns ein starkes Zeichen der Anerkennung und zugleich Auftrag: Die Förderung ermöglicht es uns, die Fachstelle Vera für Betroffene von Frauenhandel und Zwangsverheiratung sowie ehrbezogener Gewalt weiterhin als verlässliches, niedrigschwelliges Angebot in Sachsen-Anhalt zu sichern und weiterzuentwickeln. Unser Team der Fachstelle schützt Leben, steht an der Seite der Frauen und gibt ihnen Kraft für die Entwicklung neuer Lebensperspektiven. Gerade angesichts steigender Fallzahlen und zunehmend komplexer Bedarfslagen ist diese Unterstützung ein entscheidender Beitrag zum Gewaltschutz und zur Stärkung von Selbstbestimmung. Wir danken für das Vertrauen und werden uns weiterhin für den Schutz und die Unterstützung der Frauen bei der Durchsetzung ihrer Rechte einsetzen. Klar ist aber auch, eine gewaltfreie Gesellschaft gelingt nur gemeinsam. Dazu gehört auch, dass Männer klar Position beziehen und aktiv zu einer Kultur der Gleichberechtigung beitragen.“

Neben der Beratung und dem Schutz gewaltbetroffener Frauen und Mädchen setzt VERA einen Schwerpunkt in der Präventionsarbeit, um Gewalt zu verhindern. Landesweit werden Fachkräfte geschult, Informationsveranstaltungen und Projekttage für Jugendliche angeboten. Ein besonderer Fokus liegt derzeit auf der Sensibilisierung für die sogenannte „Loverboy“-Methode, bei der junge Frauen durch emotionale Abhängigkeiten in Ausbeutungsverhältnisse gedrängt werden.

Hintergrund:

Im Jahr 2024 haben Ermittlungsbehörden so viele Verfahren wegen Menschenhandels und Ausbeutung abgeschlossen wie noch nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 2000. Bei den meisten Opfern handelte es sich -wie auch in den Vorjahren- erneut um deutsche Staatsangehörige.

In den vergangenen Jahren wurde das gesamte Hilfesystem durch personelle und strukturelle Aufwüchse – besonders in Frauenhäusern, Interventionsstellen und Fachberatungsstellen – ausgebaut, um den gesetzlichen Verpflichtungen des Landes zu entsprechen. Im Jahr 2026 stehen hierfür rund 7,78 Millionen Euro zur Verfügung – das sind etwa 3,8 Millionen Euro mehr als noch 2021.

Ein zentraler Wegweiser zu den Hilfsangeboten ist das Portal www.gewaltfreies-sachsen-anhalt.de. Dort finden Betroffene, Angehörige und Fachkräfte eine Übersicht aller vom Land geförderten Schutz- und Beratungseinrichtungen. Das Portal bündelt zudem Informationen zu spezialisierten Fachstellen gegen Frauenhandel oder sexualisierte Gewalt und bietet schnelle Hilfe per Mausklick.