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Leben weitergeben und Hoffnung schenken: Klinikum Cracau für vorbildliche Organspende geehrt

Bei einer feierlichen Festveranstaltung in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt sind heute das Klinikum Cracau bei Pfeiffers der Universitätsmedizin Magdeburg sowie zwei weitere Krankenhäuser aus Sachsen und Thüringen für ihr besonderes Engagement für die Organspende ausgezeichnet worden.

Die Ehrung nahmen die jeweils zuständigen Landesministerien gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Region Ost vor.

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne begrüßte alle Teilnehmenden im Festsaal der Staatskanzlei: „Organspende rettet Leben. Jede und jeder von uns kann in Folge eines Unfalls oder einer Krankheit auf ein lebenswichtiges Organ angewiesen sein.“ Organspenden seien nur möglich, wenn Menschen sich bereiterklären, ihre Organe zur Verfügung zu stellen, wenn der Tod unausweichlich ist. „Organtransplantationen erfordern engagierte Beschäftigte in den Krankenhäusern, die den sensiblen Prozess mit menschlicher Empathie und hoher medizinischer Kompetenz begleiten.  Die geehrten Krankenhäuser stehen stellvertretend für alle Häuser, die Organspenden möglich machen. Wir danken den Mitarbeitenden in den heute ausgezeichneten Kliniken stellvertretend für alle, die sich dieser Verantwortung stellen.“

Das Klinikum Cracau habe sehr frühzeitig sowohl ärztliche als auch pflegerische Transplantationsbeauftragte bestellt, die in regelmäßigem Kontakt zur DSO stehen. Konkrete Verfahrensanweisungen für den Fall einer Organspende gewährleisten, dass alle Beteiligten im Fall einer Organspende ihre Aufgaben kennen und sicher umsetzen können. Fortbildungen zum Thema Organspende für das gesamte Krankenhauspersonal gehören im Klinikum Cracau obligatorisch dazu.

Thomas Schröder, Geschäftsführer des Klinikums Cracau, betont die Bedeutung der Auszeichnung: „Diese Ehrung ist eine Anerkennung für die hervorragende Arbeit unseres gesamten Hauses. Eine erfolgreiche Organspende ist keine Einzelleistung, sondern das Ergebnis einer perfekten Versorgungskette – von der Notaufnahme über die Anästhesie bis hin zur Intensivstation und dem OP-Team. Es erfüllt uns mit Stolz, dass die Professionalität und die menschliche Wärme, mit der unsere Mitarbeitenden diesen Prozess begleiten, heute auf Landesebene gewürdigt werden.“

Dr. med. Bernhard Mertz, Transplantationsbeauftragter im Klinikum Cracau, ergänzt: „Wir erleben täglich, wie wichtig die frühzeitige Wachsamkeit und Sensibilität des Teams sind. Gleichzeitig sehen wir in den Gesprächen mit den Familien, wie schwer eine Entscheidung zur Organspende fällt, wenn der Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten nicht dokumentiert wurde. Wir verstehen uns daher auch als Botschafter für die eigene Willensbildung. Ein ausgefüllter Organspendeausweis entlastet die Angehörigen in einer Situation tiefster Trauer und schenkt gleichzeitig anderen Menschen die Hoffnung auf ein Weiterleben.“

Ministerin Grimm-Benne: „Rund 8.000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein lebenswichtiges Spenderorgan. Das sind schwer kranke Patientinnen und Patienten, die gemeinsam mit ihren Familien hoffen und bangen. Viele Menschen auf der Warteliste sterben, bevor sie eine Transplantation erhalten. Die Einführung der Widerspruchslösung bietet die große Chance, die Zahl der Organspenden deutlich zu erhöhen und damit mehr Leben zu retten.“

Laut einer Umfrage des Bundesinstitutes für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) steht eine deutliche Mehrheit von 85 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger einer Organspende positiv gegenüber. 62 Prozent der Befragte haben ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende getroffen. Demgegenüber haben nur 45 Prozent ihren Willen auch dokumentiert – etwa in einem Organspendeausweis, einer Patientenverfügung oder in beiden.

„Organspenden sind nur möglich, wenn Menschen sich solidarisch zeigen und einwilligen, nach ihrem Tod Organe für die Transplantation zu spenden. In Deutschland steht eine Mehrheit einer Organspende offen gegenüber. Zugleich fehlt es häufig an einer klaren, schriftlich festgehaltenen Entscheidung. Das führt dazu, dass Angehörige in der ohnehin schwierigen Situation eine Entscheidung treffen müssen, die sie oft überfordert. Die Widerspruchslösung kann dazu beitragen, die Spendezahlen zu erhöhen, Wartelisten zu verkürzen und zugleich Angehörige spürbar zu entlasten“, so die Ministerin.

Sachsen-Anhalt verfügt über 36 Entnahmekrankenhäuser. Im Land haben im vergangenen Jahr nur 35 Personen Organe gespendet (2024: 22). Demgegenüber standen Ende März dieses Jahres in Sachsen-Anhalt 242 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation.

Hintergrund:
Gemeinsam mit der DSO Region Ost werden seit 2005 in jedem Jahr drei mitteldeutsche Krankenhäuser ausgezeichnet. Neben dem Klinikum Cracau bei Pfeiffers der Universitätsmedizin Magdeburg wurden dieses Jahr auch das Elbland Klinikum Meißen (Sachsen) und das Universitätsklinikum Jena (Thüringen) geehrt.

Die DSO ist die Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende gemäß Transplantationsgesetz und bietet den rund 1.200 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland umfassende Unterstützungsangebote bei den Abläufen der Organspende an. Dazu gehören Vorträge und Beratungen in den Kliniken, Fort- und Weiterbildungen, ein zertifiziertes E-Learning-Fortbildungsprogramm sowie fachbezogene Informations- und Arbeitsmaterialien. In der DSO-Region Ost betreut ein Team von zwölf Koordinatorinnen und Koordinatoren über 130 Entnahmekrankenhäuser in allen Belangen der Organspende.